21.März 2010

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22. Juni 2009, 07:51 Uhr von fneumeier

Taugen Links noch als wichtigstes Ranking-Kriterium?

Matt Cutts’ jüngste Äußerungen zu Page Rank Sculpting, damit zuammenhängend die potenziell veränderte Wirkung von nofollow und die daraus entstandene Diskussion (Beispiel: Dynamic Link Insertion via Unobtrusive External JavaScript) zeigt - finde ich - ziemlich anschaulich, wie verfahren die Situation bei der Bewertung von Webseiten durch Suchmaschinen ist. Einst als unbestechliche Methode, als ultimatives Qualitätskriterium eingeführt, werden Links längst genau so heftig manipuliert wie zahlreiche andere Ranking-Kriterien auch. Wird es für Google & Co nicht endlich Zeit, Links nicht mehr so dominant als Kriterium zu benutzen?

Nein, ganz so kann ich das nicht stehen lassen. Richtig, eigentlich hatte ich vor, über die Nutzlosigkeit von Link als Bewertungkriterium herzuziehen. Aber beim Schreiben fiel mir auf, dass das Problem eigentlich gar nicht das Kriterium selbst ist, sondern die Umsetzung bei den Suchmaschinen und die Konsequenzen daraus. Schauen wir doch mal ein paar Aspekte genauer an:

“Linkaufbau” - Aktives Generieren von Inbound-Links für die eigene Website. Man überredet Betreiber anderer Websites dazu, einem Links zu setzen (idealerweise mit vorgegebenem Linktext!) - im Austausch, direkt oder indirekt bezahlt, manchmal sogar aus purer Freundlichkeit. Hat das etwas mit natürlichem Verlinken von zusammengehörigem Content zu tun? Hat das etwas damit zu tun, dass ein Link ein Qualitäturteil über den verlinkten Content abgibt? Natürlich nicht. Aber: All das gab’s auch schon, bevor Google Links für wichtig hielt. Denn mit “künstlichen” Links kriegt man natürlich auch Referrer-Traffic, weil User gelegentlich ja auch auf Links klicken - nicht alle kommen und gehen über Google. Links waren früher mal der Haupt-Traffic-Bringer.

“Linktext” - Welche Keyword tauchen im Linktext auf? Das soll ein starkes Wertkriterium sein? Armseelig! Denn das ist geradezu maßgeschneidert für SEO und eben nicht für natürliche Links. Ganz ehrlich: Die meisten Leute (auch Profis!), die eine Website betreiben, schreiben Texte nicht in Idealform, sondern eben oft nach dem Muster “Wie auf www.irgendwo.de berichtet wird …” - mit dem Link auf “www.irgendwo.de”. Aktiv “aufgebaute” Links mit gesteuertem Linktext und diversifizierten Keywords in diesen Linktexten schneiden hier logischerweise besser ab - ohne dass das irgend etwas über die Qualität der verlinkten Seite aussagen würde. Nur aktives SEO kann sowas beeinflussen. Leider ist das aber das Gegenteil von natürlicher Verlinkung.

“PR Sculpting” - gezieltes Steuern des sog. Linkjuice auf selbst definierte Top-Seiten. Links werden primär nicht nach dem Kriterium “spannender Content, liefert zusätzliche Informationen” gesetzt, sondern aus rein SEO-taktischen Überlegungen. Und natürlich so wenig Links wie möglich setzen (oder eben bisher nofollow), damit der Linkjuice an die “richtigen” Seiten geht. Solche Links sollen ein Qualitätsurteil für die verlinkte Seite darstellen? Fehlanzeige. Aber: Wessen Schuld ist das? Hat nicht Google erst u.a. die dumme Idee mit nofollow eingeführt, um sich - vermeintlich - das Leben leichter zu machen beim Identifizieren von guten und schlechten Links? Dickes Eigentor!

Noch schlimmer: Durch solche Techniken nimmt das freiwillige Verlinken (sprich: die ursprüngliche Idee des Qualitätsurteils durch Link) weiter ab. Denn wer konsequent optimiert, kann kein Interesse daran haben, einfach mal so wertvollen Linkjuice zu verschenken. Nicht nur also, dass viele Links eben gerade keine Qualitätsurteile sind; die “echten” Links werden auch noch immer weniger.

Komplett irrer Ansatz - Sollte es nicht allein schon zu denken geben, wenn SEOs sich ausführlich Gedanken machen darüber, die Sie eine Art fiktive Währung namens “Linkjuice” möglichst effektiv steuern? Dafür gar mathematische Formeln entwickeln? Wenn Sie - nachvollziehbarerweise - das Zähneklappern anfangen, wenn Google plötzlich sagt, dass der Linkjuice von nofollow-Links einfach im Müll landet? Das ist doch völlig irre!

Also weg damit? Da gibt’s ein kleines Problem: Wie kommt man wieder runter von diesem Link-Trip? Das ist wie EU-Agrarsubventionen: Die Bauern haben sich über Jahrzehnte hinweg ganze Existenzen auf Basis absurder Subventions-Strukturen aufgebaut. Nimmt man ihnen die Subventionen jetzt weg (was eigentlich extrem sinnvoll wäre), müßten viele einfach zusperren. Ähnlich beim Thema Links - selbst SEOs, die ganz White Hat und ordentlich mit diesen Link-Tricks für Kunden optimiert haben, kämen in arge Erklärungsnöte, wenn die Sites plötzlich abrauchen, weil Google den Anteil am erzielten Erfolg - sprich: Ranking - wegstreicht, der mit diesen nach bisheriger Lesart völlig sauberen Link-Tricks zusammenhängt.

Links sind gut! Auch als Ranking-Kriterium! Aber bitte nach natürlichen Aspekten bewertet. Nicht mit irgendwelchen künstlichen Regulierungs-Features. Einfach keine Ansatzpunkte bieten für Manipulation mit verkorksten Konstrukten wie nofollow. Für jeden Link gibt es einen Grund - sonst wäre er nicht da. Also kann jeder einzelne Link auch in irgend einer Form zur Bewertung herangezogen werden. Und zwar eben bitte so, dass es natürlichem Qualitätsempfinden entspricht. Schließlich ist das Suchergebnis bei Google wie eine Empfehlung: “Lieber User, geh’ dort hin. Da findest Du, was Du gesucht hast.” Hat jemand spammy Links auf seiner Seite - ja, dann ist die Seite eben nicht so empfehlenswert. Egal ob da ein für den normalen User unsichtbares nofollow hinter den irrelevanten oder gar Spam-Links steht. nofollow ändert nichts daran, dass diese Links spammy oder sonstwie für den User wertlos sind.

Nur wenn das Gesamtpaket einer Seite aus Sicht eines normalen Users stimmt, kann und sollte man als Suchmaschine eine solche Seite auch empfehlen, indem sie weit oben in den SERPs gelistet wird.

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1 Kommentar zu "Taugen Links noch als wichtigstes Ranking-Kriterium?"

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(22. Juni 2009 - 08:16 Uhr)

Google “predigt” schon seit Ewigkeiten die Botschaft: Content is King. Langsam nähern sich Googles Maßnahmen diesem Ziel an.